24-Stunden-Pflege

Alle Infos zu Pflege- & Betreuungsformen,
Pflegestufen & -graden und den Kosten.

24-Stunden-Pflege
Alle Informationen zu den Neuerungen ab 2017

Aus den Pflegestufen werden Pflegegrade

Was die meisten Menschen unter den Pflegestufen 0,1,2 und 3 kennen, wird im Zuge der Pflegereform in 2017 in fünf Pflegegrade umgewandelt. Ziel ist nicht nur die Definition eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, sondern gleichfalls die stärkere Berücksichtigung von Pflegebedürftigen mit kognitiven oder psychischen Einschränkungen. Oder anders gesagt: Künftig soll die Pflegebedürftigkeit nicht nach den Beeinträchtigungen, sondern nach dem Grad der Selbstständigkeit beurteilt werden. Ob es körperliche oder geistige Einschränkungen sind, ist unerheblich. Wie das genau funktioniert – und was Pflegebedürftige sowie Angehörige über die neuen Pflegegrade, die Beantragung, Leistungen und Kriterien wissen müssen – erläutert sicher-ins-Alter.de! 

Was ändert sich?

Ratlose Seniorin

Bislang kannte man das Pflegesystem unter der Aufteilung in die Pflegestufen 1,2 und 3 – jeweils mit entsprechendem Zusatz für Pflegebedürftige mit Demenz (eingeschränkte Alltagskompetenz) sowie Härtefälle. Für Menschen mit Demenz, geistiger Behinderung oder psychischer Erkrankung ohne Pflegebedürftigkeit im Sinne der medizinischen Versorgung galt bislang die Pflegestufe 0. Im Gegensatz zu den Pflegestufen 1 bis 3 war diese jedoch nicht eindeutig im Elften Buch des Sozialgesetzbuches (SGB XI) definiert.

Definition der alten Pflegestufen nach § 15 SGB XI

  • Pflegestufe 1 – erheblich Pflegebedürftige: Personen, die für die Grundpflege sowie hauswirtschaftliche Versorgung Unterstützung benötigen – für mindestens 90 Minuten pro Tag, davon mindestens 45 Minuten für die Grundpflege.
  • Pflegestufe 2 – Schwerpflegebedürftige: Personen, die für die Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung Unterstützung für mindestens drei Stunden pro Tag benötigen, davon mindestens zwei Stunden für die Grundpflege. 
  • Pflegestufe 3 – Schwerstpflegebedürftige: Personen, die für die Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung Unterstützung benötigen – für mindestens fünf Stunden pro Tag, davon mindestens vier Stunden für die Grundpflege.

Für den Härtefall bei schwerster Pflegebedürftigkeit galt ein zeitlicher Aufwand (wöchentlicher Durchschnitt pro Tag) von mindestens sechs Stunden für die Gesamtpflege, davon mindestens drei Mal nachts. Der Härtefall wurde auch dann angesetzt, wenn mehr als eine Pflegeperson notwendig war, um die Versorgung tagsüber und nachts zu gewährleisten.

Die neuen Pflegegrade & die Leistungen

Mit der Einführung der neuen Pflegegrade ändert sich einiges – unter anderem werden mehr Menschen Anspruch auf Unterstützung durch die Pflegekasse bekommen. Allein aufgrund der Einführung des Pflegegrads 1 sollen 500.000 Anspruchsberechtigte hinzu kommen. Damit greift die Unterstützung der Pflegekasse schon deutlich früher. Das kann mitunter dazu führen, dass die Mobilität im Alter gefördert wird, was wiederum ein längeres selbstbestimmtes Wohnen im eigenen Zuhause ermöglicht.

  • Pflegegrad 1 (neu eingeführt): Personen ohne erheblichen Unterstützungsbedarf, aber mit Bedarf an Pflegeberatung, Wohnraumanpassung und allgemeine Betreuungsleistungen.
  • Pflegegrad 2 (ehemals Pflegestufe 0 mit Demenz und Pflegestufe 1 ohne Demenz)
  • Pflegegrad 3 (ehemals Pflegestufe 1 mit Demenz und Pflegestufe 2)
  • Pflegegrad 4 (ehemals Pflegestufe 2 mit Demenz und Pflegestufe 3)
  • Pflegegrad 5 (ehemals Pflegestufe 3 mit Demenz und Härtefall)

Eine genaue Definition der unterschiedlichen Pflegegrade liegt aktuell noch nicht vor. Aufschluss bieten höchstens die Ausführungen des Abschlussberichts "Analysen für die Entwicklung von Empfehlungen zur leistungsrechtlichen Ausgestaltung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs": 

  Kriterien Pflegegeld
Bei häuslicher Pflege
Pflegesachleistungen (z.B. für den ambulanten Pflegedienst)
Pflegegrad 1
  • Keine eingeschränkte Alltagskompetenz
  • mäßig motorisch eingeschränkt
  • Grundpflege 27 bis 60 Minuten
  • geringe psychosoziale Unterstützung
  • kein nächtlicher Hilfebedarf
  • keine Präsenz am Tag
  • lediglich geringer Unterstützungsbedarf bei Medikamenteneinnahme
  • kaum organisatorische Hilfe
125,- Euro 0 Euro
Pflegegrad 2
  • Keine eingeschränkte Alltagskompetenz
  • stärker ausgeprägte motorische Einschränkungen
  • Grundpflegebedarf liegt zwischen 30 und 127 Minuten pro Tag
  • gelegentlicher psychosozialer Unterstützungsbedarf
  • kaum bis geringe nächtliche Hilfe
  • Präsenz am Tage nicht erforderlich
  • erhöhter Unterstützungsbedarf im Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen (Medikamenteneinnahme, Therapiebesuche)
  • Pflegesachleistungen werden teilweise in Anspruch genommen
316,- Euro
oder 770,- Euro bei vollstationärer Pflege
689,- Euro
Pflegegrad 2 - mit eingeschränkter Alltagskompetenz
  • Grundpflege liegt bei 8 bis 58 Minuten
  • mehrmaliger bis häufiger psychosozialer Unterstützungsbedarf
  • keine nächtliche Präsenz erforderlich
  • tagsüber nur stundenweise
316,- Euro
oder 770,- Euro bei vollstationärer Pflege
689,- Euro
Pflegegrad 3
  • Ohne eingeschränkte Alltagskompetenz
  • Grundpflege umfasst 131 bis 278 Minuten pro Tag
  • psychosoziale Unterstützung wird mehrfach am Tag gefordert
  • kaum bis geringe nächtliche Hilfe
  • stundenweise Präsenz am Tag
545,- Euro
oder 1.296,- Euro bei vollstationärer Pflege
1.298,- Euro
Pflegegrad 3 mit eingeschränkter Alltagskompetenz
  • Grundpflege umfasst 8 bis 74 Minuten am Tag
  • mehrfache bis ständige psychosoziale Unterstützung
  • kaum bis geringe nächtliche Hilfe
  • überwiegende Präsenz am Tage
545,- Euro
oder 1.296,- Euro bei vollstationärer Pflege
1.298,- Euro
Pflegegrad 4
  • Keine eingeschränkte Alltagskompetenz
  • Grundpflege dauert etwa 184 bis 300 Minuten
  • psychosoziale Unterstützung wird mehrfach am Tag gefordert
  • mehrfache Hilfe in der Nacht
  • überwiegende Präsenz am Tag
728,- Euro
oder 1.775,- Euro bei vollstationärer Pflege
1.612,- Euro
Pflegegrad 4 mit eingeschränkter Alltagskompetenz
  • Dauer der Grundpflege zwischen 128 und 250 Minuten
  • häufige bis ständige psychosoziale Unterstützung
  • geringe bis häufige nächtliche Hilfe
  • Tagsüber Rund-um-die-Uhr-Betreuung
728,- Euro
oder 1.775,- Euro bei vollstationärer Pflege
1.612,- Euro
Pflegegrad 5 mit eingeschränkter Alltagskompetenz
  • Dauer der Grundpflege zwischen 245 und 279 Minuten
  • ständige psychosoziale Unterstützung
  • mehrfache Hilfe in der Nacht
  • Rund-um-die-Uhr-Betreuung am Tag
901,- Euro
oder 2.005,- Euro bei vollstationärer Pflege
1.995,- Euro

Was ist an den Pflegegraden nun neu?

Die Definitionen der alten Pflegestufen zeigen, dass sich die Beurteilung hauptsächlich am zeitlichen Aufwand bemisst, der für die Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung benötigt wird. Künftig soll sich die Pflegebedürftigkeit über den Grad der Selbstständigkeit messen lassen. Diesen will man mit Hilfe von sechs Kriterien definieren – in einer Art Punktesystem: Die fünf Pflegegrade sind in einer Skala von 0 bis 100 aufgeteilt, den Kriterien sind ebenfalls feste Punktwerte zugeordnet: 

  • Pflegegrad 1 ab 12,5 Punkten 
  • Pflegegrad 2 ab 27 Punkten 
  • Pflegegrad 3 ab 47,5 Punkten 
  • Pflegegrad 4 ab 70 Punkten 
  • Pflegegrad 5 ab 90 Punkten

Nach diesem neuen Begutachtungsassessment (NBA) soll sich die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen künftig einfach errechnen lassen. 

Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit (mit Gewichtung innerhalb der Gesamtpunkte)

Die Kriterien des neuen Begutachtungsassessment (NBA)

  • Mobilität (10 Prozent): Wechsel der Position im Bett oder auf anderen Möbeln, eigenständiges Aufstehen oder Sitzen, Treppensteigen, Fortbewegung innerhalb der Wohnung.
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (15 Prozent): Erkennen von bekannten Personen (Familie, Freunde, Nachbarn, u.ä.), Orientierung (zeitlich und örtlich/räumlich), Erinnerungsvermögen, alltägliche Entscheidungen treffen, Verständnis von Sachverhalten und Informationen, Einschätzung von Risiken und Erkennen von Gefahrensituationen, Beteiligung an Gesprächen. 
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (15 Prozent): z.B. autoaggressives Verhalten, verbale Aggression, Gewalt gegenüber sich, anderen Personen oder Gegenständen, Unruhe, Ängste, Wahnvorstellungen oder depressive Stimmung. 
  • Selbstversorgung (40 Prozent): Körperhygiene, An- und Auskleiden, Nahrungszubereitung und -aufnahme. 
  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen (20 Prozent): unter anderem hinsichtlich Medikamenteneinnahme, Wundversorgung, Umsetzung von Therapiemaßnahmen, Arztbesuche, Erkennen von Körperzuständen. 
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15 Prozent): Strukturierung und Gestaltung des Alltags, Besuch von Bekannten, Freunden, Gruppen, eigenständige Beschäftigung, Kontaktpflege, Vorausplanungen. 

Anzumerken ist, dass entweder die Punkte aus dem Bereich „Kognitive und kommunikative Fähigkeiten“ oder „Verhaltensweisen und psychische Problemlagen“ in die Bewertung einfließen. Hier wird der höhere Wert genommen. 

Bislang sah die soziale Pflegeversicherung eine Unterscheidung zwischen körperlicher und geistiger bzw. psychischer Einschränkung vor – mit der Neudefinition des Pflegebedürftigkeitsbegriffs will man eine Gleichberechtigung herbeiführen und gleichzeitig die Pflegeversicherung auf eine neue Grundlage stellen. Das bedeutet: Mehr Unterstützung für Pflegebedürftige, mehr Zeit für Pflegekräfte und mehr Sicherheit für pflegende Angehörige. Gleichzeitig möchte man die sogenannte „Minutenpflege“ eindämmen. Der Begriff entstand durch den Umstand, dass die Unterstützung für Pflegebedürftige bzw. die Einteilung in Pflegestufen durch den zeitlichen Aufwand für verschiedene Aufgaben definiert wurde: 5 Minuten für die Zahnpflege, 10 Minuten fürs Anziehen, 20 Minuten fürs Waschen. Das berücksichtigte aber weniger Demenzkranke oder psychisch Erkrankte, die derlei Aufgaben selbstständig erledigen können. Bereits 2015 trat das Erste Pflegestärkungsgesetz (PSG I) in Kraft, das eine stärkere Berücksichtigung der individuellen Situation von Pflegebedürftigen und Angehörigen umsetzte. Zum 01.01.2016 trat das Zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) in Kraft, dessen Umsetzungen (das neue Begutachtungsverfahren und die Umstellung auf Pflegegrade) zum 01.01.2017 wirksam werden. Ziel ist vor allem die Gleichstellung körperlicher und geistiger Beeinträchtigungen. Übrigens: Nicht nur Pflegebedürftige sollen von den Neuerungen der Pflegereform profitieren, sondern auch pflegende Angehörige – unter anderem durch den Anspruch auf fachkundige Pflegeberatung. Dieser Anspruch ist bereits in 2016 in Kraft getreten. Durch die Erhöhung der Prozentsätze auf 2,35 % und 2,6 % für Kinderlose sowie eine weitere Erhöhung ab 2017 auf 2,55 % und 2,8 % für Kinderlose nimmt die Pflegeversicherung rund 6,2 Milliarden zusätzlich ein. Damit wird der Wechsel vom alten auf das neue System finanziert! 

Was Pflegebedürftige & Angehörige wissen müssen!

Der Wechsel

Auf die Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade sind vor allem jene Personen gespannt, die bereits einer Pflegestufe zugeordnet wurden oder einen pflegebedürftigen Angehörigen betreuen. Denn: Was passiert beim Wechsel? Und wie funktioniert dieser? Vorab sei festzuhalten, dass grundsätzlich niemand befürchten muss, in den Leistungen schlechter gestellt zu werden. Das bedeutet: Wer zuvor in Pflegestufe 2 war, wird nicht herabgestuft. Dieser „Bestandsschutz“ gilt auch für jene Pflegebedürftige, die aufgrund wachsenden Bedarfs eine Neueinstufung beantragt haben. Das neue Gesetz sieht eine automatische Umwandlung vor. Das bedeutet: Pflegebedürftige müssen sich grundsätzlich nicht einer neuen Begutachtung unterziehen, sondern werden in den nächst höheren Pflegegrad eingestuft.

Pflegegrad beantragen

Grundsätzlich gilt, dass man erst mit einem Antrag bei der Pflegekasse Pflegegeld bzw. Pflegesachleistungen erhalten kann. Im Regelfall reicht zunächst ein formloser Antrag, also ein Schreiben mit der Bitte um Einstufung in einen Pflegegrad. Dieser wird an die zuständige Pflegekasse – oftmals ist die Krankenversicherung der Träger der Pflegeversicherung – geschickt. 

Tipp:

Pflegeleistungen werden ab dem Datum gezahlt, das auf dem Antrag steht – nicht rückwirkend. Wer keine Zeit hat, den vollständigen Antrag korrekt auszufüllen, sollte zumindest frühestmöglich das formlose Schreiben an die Pflegekasse schicken. Dann gilt das Datum des Schreibens, nicht des konkreten Antrags. 

Später, wenn sich die Pflegekasse mit den Senioren oder Angehörigen in Kontakt setzt, müssen genauere Angaben zur individuellen Situation gemacht werden – unter anderem behandelnde Ärzte, medizinische Gutachten oder Diagnosen, Unterstützungsbedarf, bereits vorhandene Pflegeleistungen (z.B. von der Unfallversicherung) sowie die gewünschte Leistungsart (Pflegegeld, Pflegesachleistungen oder eine Kombination). 

Nachdem der eigentliche Antrag korrekt ausgefüllt an die Pflegekasse übersandt wurde, wird ein Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen (MDK) zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit im persönlichen Wohnumfeld vor Ort geschickt. Dieser erstellt ein Gutachten anhand der persönlichen Eindrücke und Gespräche mit der pflegebedürftigen Person sowie den Angehörigen. Dieses Gutachten gilt in der Regel als Empfehlung und wird durch die Pflegekasse geprüft, etwa in Verbindung mit vorgelegten medizinischen Unterlagen. 

Die Pflegekasse hat für die Bearbeitung des Antrags auf einen Pflegegrad bis zu fünf Wochen Zeit. Nach Ablauf dieser Frist muss eine Auskunft schriftlich erteilt werden. 

Wichtiges zum Antrag und Verfahren

  • Formfehler sind in jedem Fall zu vermeiden – wenn notwendig Unterstützung durch unabhängige Pflegeberater suchen
  • Pflegetagebuch korrekt führen, wichtig sind hier die genauen Gesamtpflegezeiten
  • Bei der Begutachtung durch den MDK nicht die eigenen Fähigkeiten überschätzen oder unterschätzen – möglichst authentisch das Können darstellen. Andernfalls könnten Fehleinschätzungen zur Einstufung in einen unpassenden Pflegegrad führen.
  • Leistungen der Pflegekasse werden mit dem Datum des Antrags (auch des formlosen Schreibens) gewährt – keinesfalls rückwirkend. Der Antrag sollte daher frühestmöglich gestellt werden, durch das formlose Schreiben ist das auch kein Problem. 
  • Bei Ablehnung des Antrags oder Fehleinschätzung besteht eine Widerspruchsfrist von vier Wochen – unbedingt berücksichtigen! Wenn nötig das Widerspruchs-Schreiben gemeinsam mit unabhängigen Beratern oder Rechtsunterstützung aufsetzen!
  • Eine erneute Ablehnung des Antrags kann unter Umständen vor dem Sozialgericht geklärt werden. Hier ist eine vorherige Beratung zu empfehlen, da der Rechtsweg mitunter teuer werden kann. 

Ein Pflegetagebuch führen

Ein Pflegetagebuch dokumentiert im Idealfall den Alltag der pflegebedürftigen Person  hinsichtlich der benötigten Unterstützung. Für gewöhnlich wird das Pflegetagebuch von einem Angehörigen geführt. Wichtig ist, dass alle Tätigkeiten notiert werden, bei der die Person Hilfe benötigt, und wie lange dies gedauert hat und zu welcher Tageszeit es stattfand. Hilfreich ist die Einteilung in die grundlegenden Bereiche Körperpflege, Ernährung, Mobilität und hauswirtschaftliche Versorgung. Dabei gilt: Lieber jede Kleinigkeit festhalten als zu wenig. Also zum Beispiel auch die Hilfe beim Öffnen der Autotür oder Schneiden von Mahlzeiten, Schließen der Fenster oder Blumengießen. Denn: Der Gutachter des MDK entscheidet über seine Empfehlung aufgrund einer „Momentaufnahme“. Er kommt nur einmal in das persönliche Wohnumfeld der Person, spricht nur einmal mit dieser und den Angehörigen. Ein Pflegetagebuch, das im besten Fall über einige Wochen geführt wurde, kann näheren Aufschluss über die individuelle Situation und Pflegebedürftigkeit der Person bieten. Wichtig: Auf die richtige Wortwahl achten! Der Gutachter macht einen Unterschied zwischen „Anleitung“ oder „Übernahme“ der Pflege.

Von der Umstellung nicht beirren lassen!

Als pflegebedürftige Person oder Angehöriger muss man sich aufgrund des Zweiten Pflegestärkungsgesetz bzw. der daraus folgenden Umstellung der Pflegestufen auf Pflegegrade nicht allzu sehr beirren lassen. Ab 2017 werden die rund 2,7 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland automatisch in den passenden Pflegegrad überführt: Bei körperlicher Einschränkung mindestens in den nächst höheren Pflegegrad, bei erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz mindestens in den übernächsten Pflegegrad. Aus der Pflegestufe 2 (ohne eingeschränkte Alltagskompetenz) wechselt man daher automatisch in den Pflegegrad 3, mit Demenz in Pflegegrad 4. 

Alle Personen, die bereits Pflegeleistungen erhalten, müssen sich diesbezüglich um nichts kümmern. Ein erneuter Antrag oder ein Antrag auf Höherstellung ist nicht erforderlich. Auch für das Verfahren bei Erstantrag hat sich nicht viel verändert – zumindest für die Betroffenen selber. Die Bewertung erfolgt nach einem anderen Prinzip, aber Anträge und Vorgänge sind gleich geblieben. 

Umfassende Informationen zu den einzelnen Pflegegraden sowie Pflegeleistungen und Pflegekosten finden Sie auf den nachfolgenden Seiten. Darüber hinaus finden Sie fachliche Unterstützung bei unabhängigen Beratern, die insbesondere zum Pflegegradantrag nützliche Tipps liefern können.