24-Stunden-Pflege

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24-Stunden-Pflege
von den Aufgaben bis zur Finanzierung

Ausländische Pflegekräfte

Eine Liebevolle ausländische Pflegekraft hält die Hand einer Seniorin
Liebevolle ausländische Pflegerin

Wenn Angehörige pflegebedürftig sind und man die anfallenden Aufgaben rund um die Grundversorgung, Betreuung und den Haushalt zusätzlich zum eigenen Alltag nicht mehr leisten kann, beschäftigen viele Menschen eine Pflegekraft. Aufgrund der oftmals teuren Pflegeangebote in Heimen, privaten Pflegekräften von ambulanten Diensten sowie den sinkenden Renten suchen immer mehr Deutsche nach bezahlbaren Alternativen. So wurde die Beschäftigung von ausländischen Pflegekräften in den vergangenen Jahren in Deutschland sehr beliebt. Was das Personal aus Polen, Rumänien und anderen meist osteuropäischen Ländern leisten kann und darf, was bei der Beschäftigung zu beachten ist und weitere hilfreiche Informationen bietet sicher-ins-Alter.de im Folgenden! 

Entwicklung & Ausblick

Ausländische Pflegekräfte in Deutschland

Mit der Einführung der Pflegeversicherung in 1995 ist die Anzahl der ausländischen Beschäftigten im Bereich der Haushaltshilfe und Pflege in Deutschland stetig gewachsen. Bis zum Jahr 2013 ist die Zahl der ausländischen Beschäftigten in diesem Arbeitsmarktsektor auf 373.000 Menschen angestiegen. Das hat verschiedene Gründe:

  • der demographische Wandel wirkt sich in Deutschland vor allem stark auf den Pflegebereich aus und birgt große Herausforderungen für Politik und Gesellschaft: Die Menschen werden älter, wollen gleichzeitig länger zuhause leben. 
  • auf den Arbeitsmarkt hat der demographische Wandel ebenfalls Auswirkungen: Grundsätzlich sind immer weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter. Weiterhin bietet der Beruf des Pflegers nur sehr wenige Anreize für junge Menschen, eine Ausbildung zu beginnen – auch wenn die Bundesregierung hier verschiedene Gegenmaßnahmen entwickelte, um den Beruf attraktiver zu machen.
  • das Freizügigkeitsgesetz in der Europäischen Union erlaubt es Arbeitern und Fachkräften aus den EU-Staaten in Deutschland zu arbeiten. Aufgrund der oftmals höheren Einkommen hierzulande, überlegten viele Menschen aus den osteuropäischen Ländern nicht lange und suchten Arbeit in Deutschland. Hinzu kamen die Bestrebungen der Bundesregierung, den Personalmangel – unter anderem im Pflegebereich – durch ausländische Pflegekräfte zu decken. 

Ein Großteil der ausländischen Pflegekräfte kommt heute aus Polen. Das geht aus einer Untersuchung des Statistischen Bundesamtes im Juli 2015 hervor. Mit 76.000 Zugewanderten machten die polnischen Pflegekräfte rund 20 % aller ausländischen Pflegekräfte in Deutschland aus. Weiterhin folgen Pflegekräfte aus Bosnien und Herzegowina, Kasachstan, Rumänien, Kroatien und anderen osteuropäischen Ländern. 

Wirtschafts- und Arbeitsmarktexperten gehen davon aus, dass die Zuwanderung durch Pflegekräfte aus Polen, Bulgarien und Co. künftig nicht ausreichen wird, um den Fachkräftemangel zu decken. Die Probleme des demographischen Wandels bestehen weiterhin, verstärken sich. Und aufgrund der zunehmend sinkenden Renten werden Senioren sowie Angehörige auch künftig nach preiswerten Alternativen zum ambulanten Dienst oder gar Pflegeheim suchen. Laut Bundesministerium für Gesundheit steigt die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2060 auf 4,7 Millionen Menschen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzt, dass sich daraus ein hoher Mangel an Pflegekräften, sowohl Fach- als auch Hilfskräften, entwickelt. Im Vergleich zu heute bedarf es 2050 etwa 200.000 mehr Pflegekräfte. Der Arbeitgeberverband Pflege initiierte 2014 ein Pilotprojekt, das nun auch Pflegekräfte aus China nach Deutschland holen soll. Zu Beginn vermittelte man 150 chinesische Kräfte – teilweise hochqualifiziert mit einem Bachelor-Abschluss in Pflege. 

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wie funktioniert das?

Pflege durch ausländische Kräfte

Wichtiger Hinweis:

Eine reale 24-Stunden-Betreuung findet für gewöhnlich nicht statt, denn zwischen zwei Einsätzen muss immer eine Ruhepause von mindestens 11 Stunden liegen. Das sieht das Arbeitsrecht in Deutschland vor. Aus diesem Grund werden nicht selten zwei Betreuungspersonen benötigt. Alternative: Ein Angehöriger und eine ausländische Pflegekraft. 

Eine gute Pflege ist mit Zeit und viel Zuwendung verbunden. Das können Angehörige in der Regel besser leisten als Pflegekräfte vom ambulanten Dienst oder das Personal in Pflegeheimen. Nicht selten wurden Einrichtungen aufgrund inhumanitärer Zustände negativ in der Presse erwähnt. Aber können ausländische Pflegekräfte diese Leistung bringen? Was ist mit der Sprachbarriere? Oder gar der beruflichen Ausbildung? Wenn man von einer Arbeitsmigration ausgeht – der Aufenthalt in Deutschland dient dem Zweck der Arbeitsaufnahme – leben die meisten ausländischen Pflegekräfte in den Haushalten der Pflegebedürftigen, sodass in der Regel eine 24-Stunden-Betreuung stattfindet.

Oftmals benötigen Pflegebedürftige Unterstützung bei der Grundpflege – also bei der Ernährung, Hygiene, Mobilität und im Haushalt. Auch Freizeitaktivitäten bzw. ganz allgemein die soziale Betreuung kann Teil der Aufgaben einer Pflege- und Haushaltskraft sein. In diesen Punkten kann auch die ausländische Pflegekraft behilflich sein. Sie kocht, geht einkaufen, hilft beim An- und Auskleiden, bei der Körperpflege und bietet darüber hinaus soziale Beschäftigung wie etwa Spazierengehen oder andere Freizeitaktivitäten. Soweit Pflegebedürftige in diesem Rahmen vollständig versorgt sind, kann eine ausländische Pflegekraft eine enorme Entlastung für Senioren und Angehörige sein – praktisch und finanziell. 

Medizinische Versorgung durch ausländische Pflegekräfte?

Tipp:

Wer im Vorfeld umfangreich klärt, welche Art der Pflege notwendig ist, kann die Suche nach einer Pflegekraft oder Pflegehilfe deutlich erleichtern. Im Idealfall plant man auch einige Zeit in die Zukunft, sodass eine mögliche künftige Behandlungspflege bei der Beschäftigung einer einheimischen oder ausländischen Pflegekraft berücksichtigt werden kann. 

Ausländische Pflegekräfte dürfen keine medizinischen Behandlungen vornehmen, sofern nicht die entsprechende Qualifikation nach deutschem Standard vorhanden ist. Das bedeutet: Ausländische Pflegekräfte dürfen:

  • keine Verbände wechseln
  • Spritzen setzen
  • den Blutdruck messen oder
  • Kompressionsstrümpfe anziehen

Dies – die sogenannte Behandlungspflege – sind Aufgaben einer examinierten Pflegekraft. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass man zwar deutsche sowie ausländische „Pflegekräfte“ beschäftigen kann, das ausländische Personal aber im Grunde eine Pflegehilfe ist. Ihr Ausbildungsstand entspricht in der Regel nicht dem einer examinierten Pflegekraft nach deutscher Ausbildungsverordnung. Das schließt nicht aus, dass eine Person aus Polen, Rumänien oder Bulgarien nach Deutschland kommt, hier einen Abschluss oder entsprechende Weiterbildungen zur examinierten Pflegekraft erwirkt. Über Agenturen vermittelte ausländische Pflegekräfte haben diesen Ausbildungsstatus für gewöhnlich nicht. 

Vor- und Nachteile ausländischer Pflegekräfte

Eine ausländische Pflegekraft, deren Leistungen günstiger sind als deutsche Fachkräfte und die Entlastung für Angehörige und Familie bieten – da sehen viele Menschen nur die Vorteile. Doch sollte man sich – insbesondere aufgrund der fachlichen Qualifikation und Leistungen – sehr gut überlegen, ob eine ausländische Pflegekraft tatsächlich Unterstützung leisten kann. Wichtig ist hier, dass Senioren bzw. Angehörige möglichst genau den notwendigen Bedarf kennen. Was muss eine Pflegekraft unbedingt übernehmen, wo muss sie entlasten? Hinzu kommen verschiedene Dinge, die rund um die arbeitsrechtliche Beschäftigung berücksichtigt werden müssen. Für einen besseren Überblick zu diesen und anderen Punkten, hat sicher-ins-Alter.de die Vor- und Nachteile einer ausländischen Pflegekraft zusammengefasst: 

Vorteile Nachteile
Betreuung durch Pflegeperson im gewohnten Umfeld – kein „Umzug“ erforderlich Sprachbarrieren können zu Missverständnissen führen & Freizeitaktivitäten (sozialen Kontakt, Gespräche) einschränken
Nach Vereinbarung „Rund-um-die-Uhr“-Betreuung möglich, Ergänzung zur Pflege durch Angehörige Kulturelle Unterschiede können ebenso hinderlich sein, zu Problemen führen
Wenn Behandlungspflege nicht benötigt wird, gute Entlastung für pflegende Angehörige Tatsächliche Entlastung findet nur im Bereich „Grundpflege“ statt, weitere Hilfe durch ambulanten Dienst kann erforderlich werden
Kosten sind oftmals niedriger als bei privaten Pflegekräften aus Deutschland oder für die Unterbringung in Pflegeheimen Zusätzliche Kosten für ambulanten Pflegedienst oder zweite Pflegekraft können anfallen
Gute Vermittlung über Agenturen Ausländische Pflegekraft benötigt eigenes Zimmer im Haushalt – hierfür fallen erneut Kosten an (Unterbringung und Versorgung)
  Bei eigenständiger Suche und Anstellung müssen arbeitsrechtliche Dinge berücksichtigt werden
zahlt die Pflegekasse?

Kosten einer ausländischen Pflegekraft

Es gibt verschiedene Modelle, wie Senioren und Angehörige eine ausländische Pflegekraft beschäftigen können – daraus ergeben sich auch die Kosten für eine Hilfskraft aus Polen, Kroatien oder Tschechien. 

  • Die ausländische Pflegekraft arbeitet selbstständig: In diesem Fall kümmert sie sich selber um alle erforderlichen Bescheinigungen und Abgaben. Ansprüche auf Kranken- oder Urlaubsgeld entfallen. Die Kosten für eine selbstständige Pflegekraft aus dem Ausland liegen bei etwa 2.000 Euro. Hier sei darauf hingewiesen, dass es mitunter schnell zu einer Scheinselbstständigkeit kommen kann, wenn die Person ausschließlich einen Pflegebedürftigen betreut. 
  • Die ausländische Pflegekraft wird über eine Agentur vermittelt: In diesem Fall ist sie bei dieser Agentur angestellt und wird in den deutschen Haushalt vermittelt. Wichtig: Auch für ausländische Pflegekräfte gilt der gesetzliche Mindestlohn – seit 2016 mindestens 9,00 Euro (Ost) bzw. 9,75 Euro (West). Seriöse Vermittlungsagenturen oder Entsendungsunternehmen zahlen sogar mehr. Hier fallen zusätzlich Kosten für Unterkunft und Verpflegung, Fahrtkosten sowie Vermittlungsgebühren an. Die Kosten belaufen sich auf etwa 1.500 bis 2.500 Euro pro Pflegekraft. Abhängig ist das Gehalt auch von den Qualifikationen und damit von den Aufgaben, die eine ausländische Pflegekraft übernehmen kann. 
  • Die ausländische Pflegekraft wird privat eingestellt: Wenn der Pflegebedürftige bzw. die Angehörigen eine ausländische Pflegekraft privat einstellen, werden sie damit zum Arbeitgeber und müssen entsprechende arbeitsrechtliche Leistungen zahlen – unter anderem Abgaben für die Sozialversicherung, Unfallversicherung, (anteilig) Kranken-, Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Steuern. Weiterhin tragen sie die Kosten für die Unterkunft und Versorgung der ausländischen Pflegekraft. Da eine 24-Stunden-Betreuung von einer Person nicht allein gestemmt werden kann, müssen weitere Betreuer beschäftigt werden. Die Kosten können sich schnell auf 3.000 Euro pro Betreuungsperson belaufen. Wichtig: Bei privater Anstellung muss die Pflegekraft offiziell angemeldet sein, damit es nicht zu einer illegalen Beschäftigung kommt. Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt und wird geahndet. 

Das Entsendemodell, also die Vermittlung durch Agenturen, hat sich in Deutschland auch aufgrund der rechtlichen Sicherheit für Angestellte und Senioren / Angehörige bewährt. Wichtig ist hier, dass man sich als Pflegebedürftiger oder Angehöriger die sogenannte A1-Bescheinigung im Original vorzeigen lässt. Dies bestätigt, dass für die Pflegekraft in ihrem Heimatland Sozialabgaben gezahlt werden. Weiterhin sollte das Weisungsrecht beim ausländischen Arbeitgeber liegen, damit die Beschäftigung in Deutschland legal bleibt. Erhält die Pflegekraft Arbeitsanweisungen von der deutschen Familie, besteht die Voraussetzung für eine legale Beschäftigung im Entsendemodell nicht mehr. 

Welche Kosten übernimmt die Pflegekasse?

Tipp:

Mitunter können die Kosten für ausländische Pflegekräfte als „haushaltsnahe Dienstleistungen“ bei der Steuererklärung abgesetzt werden. Bei der konkreten Berechnung der Kosten für eine ausländische Pflegekraft sollte der Steuerabzug neben den Leistungen der Pflegekasse unbedingt berücksichtigt werden.

Alle Kosten für eine ausländische Pflegekraft werden nicht von der Pflegekasse übernommen – wie es etwa beim ambulanten Dienst wäre, der direkt mit der Pflegekasse abrechnet. Allerdings erhalten Pflegebedürftige bzw. Angehörige je nach Pflegegrad Zuschüsse im Rahmen der häuslichen Pflege. Je nach Situation erhält man Pflegegeld  oder die Leistungen für Verhinderungspflege. 

Für wen lohnt es sich?

Beschäftigung einer ausländischen Pflegekraft

Ob es sinnvoll ist eine ausländische Pflegekraft zu beschäftigen, hängt in erster Linie vom individuellen Bedarf und der Situation von Senioren und Angehörigen ab. Sofern lediglich Unterstützung bei der Grundpflege benötigt wird, können ausländische Pflegekräfte hilfreich sein. Bei Aufgaben im Bereich der Behandlungspflege muss wieder sehr genau auf die Qualifikation der Pflegeperson geachtet werden. In der Regel sind dies examinierte Alten- oder Krankenpfleger. 

Entlastung bieten ausländische Pflegekräfte insbesondere für Senioren, deren Angehörige an einem anderen Wohnort leben und daher nicht pflegend tätig sein können, und für Angehörige von Pflegebedürftigen, die aufgrund der eigenen Erwerbstätigkeit oder Familie (insbesondere mit jungen Kindern) der Pflege nicht in geeignetem Maße nachkommen können. 

Bei der Ermittlung des individuellen Bedarfs ist sicher-ins-Alter.de gerne behilflich – mit einer unverbindlichen, kostenlosen Beratung und unter anderem mit dem Pflegekostenrechner. 

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